Corona-Krise: Gegner des Urheberrechts machen mobil

Gegner des Urheberrechts sind dabei die Corona-Pandemie für ihre Interessen zu nutzen. So stellt das „Internet Archive“ in den USA massenhaft vollständig gescannte Bücher frei ins Netz.
Während in Europa Internetaktivisten wie Julia Reda unter dem Schlagwort „Upload-Filter“ eine neue Runde einläuten (siehe Spiegel Online), geht das „Internet Archive“ in den USA einen deutlichen Schritt weiter: Es baut seit März eine Art „nationale Notfall-Bibliothek“ für die Zeit der Corona-Krise auf und stellt seitdem massenhaft vollständig gescannte Bücher frei ins Netz – auch ohne Erlaubnis und ohne jede Beschränkung bei der Zahl der Zugriffe, berichtet boersenblatt.net.
„Wir sind schockiert darüber, dass das Internet Archive die Covid-19-Pandemie als Entschuldigung dafür nutzt, die Grenzen des Urheberrechts weiter zu verschieben und dadurch die Autoren zu schädigen, die ohnehin bereits mit den Folgen der Krise zu kämpfen haben“, protestierte nach diesem Bericht die Author’s Guild und ebenso die National Writers Union.
In einem Gastbeitrag in der FAZ hat Helga Trüpel, bis 2019 Europaabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, diese Entwicklung mit deutlichen Worten kritisiert. Hier würde die Krise genutzt, um für „free flow of information“ und „free access to culture“ zu argumentieren – „ohne irgendeine Güterabwägung mit den Interessen der professionellen Urheberinnen und Urheber vorzunehmen“, so Trüpel.
Der europäische Verband der Wissenschaftsbibliotheken LIBER fordert sogar, ab sofort alle Bestände der Bibliotheken auch für den Remote-Zugriff bereitstellen dürfen. Der Verband fordert die europäische Politik auf, dazu die zum Schutz der Urheberinnen und Urheber geltende Regelungen der Urheberrechtsrichtlinie (InfoSoc Directive) zeitweise auszusetzen.

Gesetzgebung: