Respekt vor der Kultur – Respekt vor dem Werk!

Künstlerisches Schaffen und Kulturproduktion begleiten die Menschheit seit Urzeiten und sind für unsere Existenz und gesellschaftliche Entwicklung essentiell. Ohne Malerei, Musik, Literatur etc. wäre unser Dasein nicht nur ärmer – es bestünde aus bloßer Erwerbsarbeit zum Überleben und kurzweiliger Freizeit ohne tiefere Bedeutung. Kunst vermittelt Denkanstöße, verleiht Emotionen Ausdruck, ermöglicht Reflexion und öffnet Perspektiven. Mit ihren Werken bereichern Künstler die Welt, erschüttern, regen an – oder auf. Kunstwerke verdienen gesellschaftliche Beachtung, individuellen Schutz – und RESPEKT!<--break->

Wer Bücher verbrennt, Theater verhindert, Filme zensiert, Kompositionen verbietet – der macht sich gegenüber Künstlern schuldig und vergeht sich an der Freiheit. Ein Werk ohne Respekt vor seiner Authentizität zu verändern – oder gar unerlaubt zu kopieren – ist nicht besser. Künstler werden übergangen und geschädigt, an die Stelle des Respekts vor dem Werk treten Egoismus und kultureller Vandalismus. Wer dem Kulturschaffen seine Kraft, sein Können und Genie widmet, Autoren und Musiker, Maler und Schauspieler, Karikaturisten, Dirigenten, Regisseure, Fotografen und Kinematografen, Komponisten, Bildhauer und viele mehr, hat Achtung vor seinem Werk oder Werkbeitrag verdient. Ein professioneller Kulturbetrieb, den wir alle fordern, kann ohne Wertschätzung des Publikums und der Öffentlichkeit nicht bestehen.

Bildende Kunst, Literatur, Theater und Musik, aber auch junge Kunstformen wie Fotografie und Film brauchen gesellschaftlichen Schutz, um sich entfalten zu können und in ihrer Zeit jeweils spezifische Ausdrucksformen zu entwickeln. Kunstwerke reflektieren nicht nur die Gefühle von Künstlern, sondern spiegeln immer auch die konkrete Gesellschaft, in der sie entstehen. Damit kommt dem Kunstwerk und seiner Rezeption eine wichtige Funktion zu: Die Nachdenklichkeit über soziale und ökonomische Lebensbedingungen wird gefördert und kritischer Diskurs über Wahrnehmung von Realität wird möglich.

Der Wert eines Kunstwerks entspricht häufig nicht seinem Marktpreis. Seit der Renaissance, einer Zeit höchster künstlerischer Ansprüche und Schaffensintensität, wird der Wert des Werks über seinen Gehalt an Genialität und schöpferischer Invention definiert. Ein kleines Werk, etwa eine Zeichnung, kann bahnbrechend sein oder ein sehr aufwendiges nur geringe schöpferische Qualität aufweisen. Weder die investierte Arbeitszeit noch die handwerkliche Qualität definiert den schöpferischen Gehalt des Kunstwerks. Allein der formende Gestaltungswille des Künstlers sowie die Originalität des Zugangs und die Eigenart der Kreation lassen ein Werk entstehen. Dass Kunst auch als Investitionsware nachgefragt wird, erkennt man an den teils kaum noch nachvollziehbaren Preisen am Markt. Dabei ist wichtig, dass der schöpferische Gehalt eines Werkes über die ökonomische Bewertung nicht abgebildet oder beurteilt werden kann. Allerdings müssen professionelle Künstler und Interpreten auch ökonomisch überleben können. Kunst und Kunstgenuss müssen frei bleiben, können aber nicht kostenfrei angeboten werden.

Schafft ein Künstler ein Werk allein, so ist er Alleinurheber. Schaffen mehrere Künstler ein Werk gemeinsam, sind sie Miturheber. Urheber investieren in die Kreation des Werkes selbst, andere Künstler sind als Interpreten tätig (etwa Sänger oder Musiker auf der Basis von Kompositionen oder Schauspieler auf der Basis von Textbüchern). Auch der Dirigent schafft kein Werk, sondern interpretiert und hat ein „Leistungsschutzrecht“. Urheber und Leistungsschutzberechtigte, die von ihrer professionellen künstlerischen Kulturarbeit auf der Basis der Werke leben, garantieren einen verlässlichen und leistungsfähigen Kulturbetrieb. Auch Amateure leisten oft Erstaunliches: Verlassen kann die Gesellschaft sich aber auf die Regelmäßigkeit und Leistungsfähigkeit des Kulturbetriebs nur, wenn ausgebildete professionelle Künstler und Interpreten auf der Basis des Werkschaffens agieren können. – Kunstwerke und Künstler verdienen unseren RESPEKT!

Für die „Initiative Urheberrecht“.
Dr. Michael Neubauer (München)