Frankreich: Google unterzeichnet Anti-Piraterie-Vereinbarung

Der US-Internetriese Google hat mit Vertretern der französischen audiovisuellen Industrie eine „beispiellose Anti-Piraterie-Vereinbarung“ unterzeichnet, die eine schnellere Blockierung von Videoinhalten auf YouTube ermöglicht.
Die Vereinbarung mit der französischen Vereinigung zur Bekämpfung der audiovisuellen Piraterie (ALPA) unter Schirmherrschaft des Nationalen Filmzentrums (CNC) soll eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem YouTube-Besitzer und den Rechteinhabern ermöglichen, berichtet die Wirtschaftszeitung Les Echos.
YouTube werde ALPA Zugang zu seinem Identifikations- und Management-Tool „Content ID“ gewähren, um Anfragen zu raubkopierten Inhalten zu zentralisieren und diese zu blockieren. „Wir wollen nicht, dass Betrüger unsere Plattformen zum Nachteil der Urheber nutzen“, sagte Carlo D’Asaro Biondo, Google-Leiter für Partnerschaften in Europa, dem Nahen Osten und Afrika laut Les Echos. Die Vereinbarung sieht auch eine finanzielle Unterstützung von Google für ALPA vor.
Die Vereinbarung ist Teil eines „Aktionsplans gegen Piraterie“, den die französische Kulturministerin Françoise Nyssen in einem Interview mit Echos ankündigte. Nach einer EY-Studie vom Februar sollen 13 Millionen Internetnutzer in Frankreich im Jahr 2016 raubkopierte Inhalte genutzt haben und dadurch einen wirtschaftlichen Schaden von 1,35 Milliarden Euro verursacht haben.
Die Vereinbarung mit Google ist aber auch Ausdruck einerseits der besonders starken Stellung der Kultur in der französischen Politik und Bevölkerung einerseits und dem im Vergleich zu anderen Ländern Europas unterschiedlichen Umgang mit dem US-Konzern andererseits. So hatten die französischen Presseverlage frühzeitig eine geplante „Google-Steuer“ abgelehnt und stattdessen Anfang 2013 einen Fonds mit Google vereinbart, in den der Suchmaschinenkonzern über 60 Millionen Euro für Online-Projekte einzahlte – ein Modell, das in Deutschland erst zwei Jahre später nach Einführung des Presse-Leistungsschutzrechtes ein Äquivalent fand (siehe News vom 28. April 2015).
Auch auf EU-Ebene hatten sich der französische Presseverlegerverband – mit dem spanischen und italienischen – bereits 2014 an EU-Kommissar Oettinger gewandt, um gegen die Einführung der sogenannten „Google-Gebühr“ zu protestieren (siehe News vom 12. Dezember 2014). Ebenso opponierte Frankreich gegen die von der EU-Kommission überlegte „Netflix-Steuer“ (siehe News vom 20. Mai 2016) und setzte sich stattdessen für die nun im Entwurf für die Reform der EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste verankerte Förderung von europäischen Film- und TV-Produktionen oder der Filmförderung ein. Und bei den später gescheiterten TTIP-Verhandlungen sorgte der Druck aus Frankreich dafür, dass beim Freihandelsabkommen der EU mit den USA zunächst nicht über audiovisuelle Medien oder Dienste verhandelt wurde (siehe News vom 15. Juni 2013).

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