Berlinale: EU-Kommissar Oettinger traf Urheber und Künstler

Die Teilnehmenden im Anschluss an das Gespräch (von links):  Prof. Dr. Enjott Schneider (Komponist), Julia Beerhold (Schauspielerin und Sängerin), EU-Kommissar Günther Oettinger, Micki Meuser (Komponist und Musikproduzent), Nina George (Schriftstellerin und Journalistin), Jochen Greve (Drehbuchautor), Peter Carpentier (Regisseur und Drehbuchautor) und Frank Michael Zeidler (Freischaffender Künstler und Autor). – © Gezett / Initiative Urheberrecht

Auch in diesem Jahr traf sich EU-Kommissar Oettinger anlässlich der Berlinale mit Künstlern und Urhebern: in einem ausführlichen Gespräch verkündete Günther Oettinger, dass es sein erklärtes Ziel sei, „die kreative Zukunft zu stabilisieren“. Er sprach sich ausdrücklich dafür aus, dass der „Eigentumsbegriff für Geistige Arbeit auch im Internet scharf definiert werden muss“.
Der Komponist Enjott Schneider wies daraufhin, bei digitalen Nutzungen seien die Vergütungen von Urhebern und Künstlern dramatisch eingebrochen. EU-Kommissar Oettinger stellte fest, dass „Plattformen Marktplätze sind, auf denen Daten gehandelt werden. Die Belange von Urhebern und Künstlern müssen auch hier berücksichtigt werden.“ Im weiteren Gespräch wurde von den Urhebern deutlich gemacht, dass die Entwicklung auf dem digitalen Markt auch auf die „klassischen“ Märkte eine verheerende Auswirkung hat, denn aufgrund der Konkurrenzsituation sinken bei Musik, Presse, Buchhandel, der Filmbranche die Honorare und Vergütungen drastisch.
„Urheber und ausübende Künstler brauchen ein starkes Vertragsrecht, um ihre Interessen durchzusetzen“, führten Drehbuchautor Jochen Greve und Regisseur Peter Carpentier aus. Für die Nutzung ihrer Werke im Internet forderten sie ein unveräußerliches Recht auf angemessene Vergütung und verwiesen auf die entsprechenden Vorschläge der SAA in Brüssel (siehe News vom 22. Januar 2016).
Die Schauspielerin Julia Beerhold dankte Kommissar Oettinger für seine partnerschaftliche Unterstützung der Sache der Kreativen und verwies im Anschluss an Greve und Carpentier auf die entsprechende Kampagne „Fair Internet“ verschiedener internationaler Künstlerorganisationen (siehe News vom 8. Mai 2015).
350 Millionen Menschen nutzen täglich illegale Kopien von Kulturwerken, analysierte die Autorin Nina George und stellte ein Konzept zur Lösung des Piraterie-Problems vor, welches der Kommissar mit großen Interesse wahrnahm.
Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht, dankte Kommissar Oettinger für seine Bereitschaft, die Sorgen der Urheber und Künstler ernst zu nehmen und Lösungsvorschläge für die Verbesserung der materiellen und vertraglichen Situation zu erarbeiten.
Der Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft Günther Oettinger bat ausdrücklich darum, das Gespräch mit Urhebern und Künstlern in Kürze fortzusetzen.

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